Egmond aan Zee

Das Kaninchen Miffy „Nijntje“

 

Dick Bruna

 

Als Vater (inzwischen bezeichnet er sich selbst als Großvater) der Bilderbuchfigur Nijntje, die außerhalb der Niederlande den Namen Miffy trägt, wurde Hendrik Magdalenus Bruna weltberühmt. Seine Bücher verkauften sich mehr als 85 Millionen Mal und wurden in 50 Sprachen übersetzt. Dick Bruna wohnt und arbeitet in Utrecht, wo es seit 2006 auch ein Dick Bruna Museum gibt.

Als Sohn eines Verlegers kommt Hendrik Magdalenus Bruna schon früh mit Büchern und deren Gestaltung in Kontakt. Sein Interesse am Zeichnen erwacht, als Dick Bruna 1943 mit seiner Familie die letzten Kriegsjahre an den Loosdrechtse Plassen zwischen Amsterdam und Utrecht verbringt. Dort, inmitten der Natur und fern der Schule, beginnt er mit den ersten Natur-Zeichnungen und erhält sporadisch Malstunden von Illustratoren des väterlichen Verlags, die die Familie besuchen.

Nach dem Krieg kehrt die Familie nach Utrecht zurück und Dick Bruna geht wieder zur Schule, die er jedoch vorzeitig abbricht. Daraufhin schickt ihn sein Vater nach London und Paris, wo er sich durch Praktika auf seine spätere Verlagslaufbahn vorbereiten soll. Doch Paris wird für Dick Bruna, wie für viele andere Künstler auch, eine Art Schlüsselerlebnis. Inspiriert von der Formensprache und den Farbwelten von Magritte, Braques, Legér und Picasso wendet er sich voll und ganz dem Zeichnen zu, mit der Ausbildung zum Verlagskaufmann kann er sich dagegen weniger anfreunden. Im Jahr 1948 kommt er zurück in die Niederlande, verbringt noch einige Zeit an der Rijksakademie Amsterdam, bricht auch diese Ausbildung ab und arbeitet von nun an als Grafiker im Verlag seines Vaters. Mit Erfolg: Er entwirft rund 2.000 Buchcover und eine Reihe von Plakaten. Sein erstes eigenes Buch, das Bilderbuch De appel, erscheint 1953, gefolgt von Nijntje im Jahr 1955. Der Beginn eines weltweiten Erfolges.

 

 

Miffy „Nijntje“

 

Geboren wird Nijntje Pluis im Jahr 1955, als Dick Bruna den Urlaub mit seiner Frau und den drei Kindern in einem Ferienhaus in Egmond aan Zee verbringt. Als Gutenachtgeschichte für seinen ältesten Sohn Sierk erfindet Dick Bruna die Abenteuer des Kaninchens Nijntje, das draußen im Garten des Ferienhauses herumhoppelt. Schon bald folgen die ersten Illustrationen mit Miffy als Hauptfigur. Weil Dick Bruna das Kaninchen mit Rock hübscher findet als mit Hose, wird Miffy zum Mädchen. Im gleichen Jahr wird das Bilderbuch herausgegeben, damals noch im rechteckigen Format, von 1959 an in der – noch heute produzierten – quadratischen Form. Dick Bruna findet letztere für kleine Kinderhände besser geeignet.

 

Im Laufe der Jahre erscheint ein Kaninchen-Abenteuer nach dem anderen, inzwischen sind es über 30 meist kleine Geschichten, die sich im und um das Haus herum abspielen, also in der Erlebniswelt kleiner Kindern, zum Beispiel ein Besuch im Zoo oder ein Tag am Strand. Doch auch Situationen, über die sich nur schwer sprechen lässt, werden von Dick Bruna nicht außer Acht gelassen. Das Buch Lotje beispielsweise handelt von einem Mädchen im Rollstuhl, und Lieve oma Pluis behandelt den Tod der Großmutter. Der Aufbau der kleinen Bilderbücher bleibt – bis auf ein paar Bücher ganz ohne Text –  immer gleich: Auf der linken Buchseite steht ein Vierzeiler in Reimform (zweite und vierte Zeile reimen sich), auf der rechten Seite folgt eine Illustration im inzwischen auf der ganzen Welt bekannten Bruna-Stil.

 

 

Weniger ist mehr

 

Was aber macht die Faszination des kleinen Kaninchens aus? Der Grund ist mit Sicherheit auch im bezaubernden Malstil von Dirk Bruna zu suchen, der aus einer einfachen und klaren Bildsprache besteht. Bei Dick Bruna ist ein Haus ein Haus, ein Vogel ein Vogel – sie sind überall auf der Welt als solche erkennbar, so die Grafikdesignerin Kasia Rust. Seine Bilder sind aufs Wesentliche reduzierte Illustrationen, die Piktogrammen ähneln. Berühmt sind, neben der klar gezogenen schwarzen Konturlinie, auch seine warmen Farben, die er selbst entwickelt hat. Dick Bruna verwendet in den Miffy-Büchern lediglich Rot, Gelb, Blau, Grün und Schwarz. Ganz selten wird diese Farbpalette um Braun, Grau oder Orange ergänzt. Alle Farben sind an ihrem Platz, es gibt kein unnötiges Detail. Wenn Miffy weint, dann nur mit einer Träne. Herr und Frau Kaninchen werden mit nur einer Falte zu Großeltern. Die Kunst liegt im Weglassen.

 

Der erfolg von Miffy „Nijntje“

 

„Ich habe Kinder immer sehr ernst genommen und werde das immer tun. Das ist meine Pflicht“, sagt Dick Bruna in einem Interview. Und dafür lieben ihn die Kinder. Seine Bücher sind inzwischen in 50 Sprachen erschienen (2011 kam Russisch hinzu) und 85 Millionen Mal verkauft worden. Vor allem in Japan ist Nijntje äußerst populär, weshalb die offizielle Website von Dick Bruna auch in japanischer Sprache zur Verfügung steht. Lediglich mit dem Namen Miffy „Nijntje“ konnte sich der Rest der Welt weniger anfreunden. Für ein niederländisches Kind ist es vollkommen natürlich, dass ein Kaninchen („konijntje“) den Spitznamen Miffy erhält. Doch in anderen Ländern bestehen zu dem nur schwer auszusprechenden Namen keine Assoziationen. Daher wurde aus Nijntje Miffy. Rund um den Globus, so auch in Deutschland. Mittlerweile gibt es auch eine breite Palette an Merchandising-Artikeln. Von Miffy-Filmen und Hörspielen über Zahndosen und Besteck bis zu Miffy-Spielkisten und Trinkbechern – das kleine Kaninchen ist inzwischen fast überall zu finden.

 

Sie können das Miffy Boot am Strand Eingang sehen

 

 

 

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